Was Du über Streetwear wissen solltest: Interview mit Fats “Fatsarazzi” Shariff

Wir hatten ja schon mal vor ein paar Tagen kurz die Seite von Fats geplugged und inzwischen hatte ich auch die Chance ein wenig mit diesem smarten Gentleman zu sprechen.
Fats ist mit der Streetwear Szene aufgewachsen und ist so ziemlich down since day one wie kaum jemand anders. Er war immer Teil davon und kennt jeden mit Rang und Namen. Er weiss was geht, was im Moment nicht so geht und was sein sollte. Anschnallen und lesen. Jetzt kommt gebündelte Weisheit.
Fats: Hi, kein Problem. Also ich bin Fats Shariff, gesitteter Fotograf, Beobachter & Berater manchmal auch Fatsarazzi genannt.
Fats: Mein aktueller Style ist… vorsichtig. Ich hab mich gestern zweimal umgezogen… Ok, also mein Style war immer schon Mafia B-Boy der manchmal Ralph Lauren rockt. Weisst schon, Panama Hut, Hemd & Krawatte, vielleicht ein Cardigan, 10 Jahre alte abgefuckte Jeans und ein freshes Paar Sneaker oder vielleicht Two Tone Schuhe, oder Patent Deck Shoes [Anmerkung: Das sind die Mafia Style Lederschuhe klassisch in schwarz weiss] halt die Richtung.

Fats: Als erstes würde ich mich gerne an alles erinnern können. Aber gute Frage auf jeden Fall.
Ok hier kommen die einzelnen Kapitel.
1984-1990 (18yrs-24yrs):
PHASE DER ENTWICKLUNG
Damals gab es so wie heutzutage eine Mischung aus Styles & Subkulturen mit den man sich identifizieren konnte oder nicht. Aber Streetwear war am Anfang als Skatewear bekannt und sehr klein verglichen zu heute. Die Ursprünge von Streetwear kamen von der West Coast der United States. Der Ball kam zum rollen und immer mehr Leute wurden Anhänger der Bewegung. In der Mitte der 80ziger Jahre hatten die original Skate Labels die Tore für den Massenmarkt geöffnet und dadurch kam es zur “Frühgeburt” von Streetwear, wenn man das so nennen will.
Die Wurzeln dieser Marken waren auf jeden Fall in der Skateboard Szene, mit ihrer unkonformen Haltung wie zum Beispiel das erste wirkliche Streetwear Label STÜSSY. STÜSSY hat den gesamten Markt damals verändert. Dazu kam der unaufhaltsame Aufstieg von Hip Hop zusammen mit dem populär werden des B-Boy Styles. Diese Mischung hat auch nochmal die Dynamik verändert und seinen Teil zur Entstehung von Streetwear beigetragen.
1991-1995 (25yrs-29yrs)
LAND DER AUFGEHENDEN SONNE
In dieser Zeit kamen neue Labels dazu und der ganze Markt wurde erwachsener. Es fing an um gutes Geld zu gehen und dadurch wurden auch die Möglichkeiten für die Produktion und Distribution besser. Als erstes nahm wiederum STÜSSY diese Gelegenheit war und knüpfte Connections in Japan. Die Japaner haben sich in Sachen Streetwear hingesetzt, beobachtet und gelernt und durch das was sie damals geschaffen haben Streetwear einen weiteren Schritt nach voran gebracht. Sie haben alles was damals am Start war genommen und es besser, cooler und begehrenswerter gemacht.
Sie haben Toys und Gadgets an den Start gebracht und gezeigt wie vorteilhaft es sein kann Collaborations für einzelne Projekte mit anderen Labels zu haben. Die Labels in Japan haben einen Weg gefunden den Käufern genau das zu geben was sie wollen und sie nebenbei noch hungrig auf mehr zu machen. Eine verdammt spannende Zeit in der Entwicklung von Streetwear. Das war auch die Zeit in der sich alle grossen Streetwear Brands einen Namen gemacht haben. Der Respekt und das Wachstum das durch den japanischen Markt kam, hat sie gross gemacht.
1996-2000 (30yrs-34yrs)
DIE BUSINESS SEITE VON STREETWEAR
Die Formel für Erfolg schien geschrieben zu sein und viele Leute starteten ihre eigenen Labels. Streetwear wurde ein globales Geschäft und die Produktion von Streetwear unter allen möglichen Namen begann. Nirgends war das extremer als in Europa das zu der Zeit noch keine grossen Labels hatte und viele dachten es wäre Zeit das zu ändern. Leider waren viele europäische Streetwear Labels zu der Zeit einfach nur Kopien von bereits existierenden Labels und Styles. Trotzdem gab es ein paar die aus der Masse heraus stachen und in der Szene Respekt erlangten.
Damals wie heute gab es gut Geld mit Streetwear zu machen und viele Labels vergassen die Designs und bemühten sich nur noch darum mehr Profit zu machen. Es gab viele Copycats den es nur darum ging Geld zu machen. Das gute in dieser Zeit war jedoch das Streetwear als richtige Bewegung mit eigener Kultur wahrgenommen wurde und dadurch so wie in den meisten Bewegungen andere Untergruppen der Bewegung entstanden. Als Folge gibt es seit dieser Zeit Subkulturen und verschiedene Arten von Streetwear.
2001-bis heute (35yrs-41yrs)
SCHAU AUS WIE EIN BLOG, ABER SCHAU DABEI GUT AUS
Ich meine das in einer wirklich netten Weise. Das Internet und besonders Blogs / E-Zines oder wie auch immer Du die Seiten nennen willst, sind wie Drogen und der Verbraucher von heute ist der Junkie. In diesem Fall gibt es aber kein richtig oder falsch. Du kannst dich heutzutage mit Streetwear umgeben wie niemals zuvor und das 24/7.
Wegen der Ausbeutung der Begriffs “Limited Edition” kannst Du dir jetzt deine Sachen komplett selber gestalten wie z. Bsp. Nike IDs. Also wenn dir die HyperStrike und die Sneaker die nur bei Tier 0 Retailern released werden [Nike Retailer sind in Tiers eingeteilt, Tier 0 Retailer bekommem sehr exklusive Modelle] nicht gut genug sind dann kannst Du jetzt deine eigenen machen lassen.
Das Gefühl der Individualität verführt einen dazu seine neusten Erungenschaften zu präsentieren. Dazu muss ich mich, so wie viele andere auch, schuldig bekennen. Das ist kein wirkliches Problem von uns sondern einfach so wie es im Moment ist, es ist einfach der Wettbewerb wer coolere Sachen rockt.
Deswegen schauen viele Leute aus wie direkt von einem Blog, anstatt die Streetwear mehr philosophisch zu betrachen. Hole dir deine Informationen von den Blogs oder woher auch immer, mach dich schlau aber finde deinen eigenen Style. Es gibt glücklicherweise immer noch einige Leute die das machen und nicht genau wie Seiten von Blogs a la Slamxhype, High Snobiety oder Hypebeast aussehen.






