Sendereihe Musikrichtungen… Heute: Deutsch Rap

Deutsch Rap, Deutsch Rap was hast Du nur getan. Um das vorweg zu klären Rap stammt aus New York nicht aus Berlin aber mehr dazu in der nächsten Folge über Oldschool Rap. Die deutsche Rap Szene war lange Zeit sehr “pur” und die vier Elemente der Hip Hop Kultur (Breakdance, Graffiti, Mcing, Djing) waren geschlossen auf Jams vertreten.

Der erste Meilenstein in der Deutsch Rap Bewegung geht bis 1992 zurück. In Heidelberg hatten sich Torch, Toni L und Linguist zu Advanced Chemistry zusammengeschlossen und “Fremd im eigenen Land” rausgebracht. Der Track ist ein absoluter Klassiker mit allem was einen guten Rap Track ausmacht. Catchender Beat mit dem alten Tagesschau Sample, eine echte Message (und nicht nur: “Ich Lederjacke f!ck dei Mudda”) und freshe Reime.

Leider ist der Sound des Videos nicht so gut, trotzdem checks aus. Hier gibts nur den Sound.

Aus dem Heidelberger Lager kamen noch weitere gute Tracks. Besonders zu empfehlen ist z.b. Toni L - Der Pate. Der erste kommerzielle Durchbruch für Deutsch Rap geht auf das Konto der Fantastischen Vier mit ihrem Chartbreaker “Die da”. Auch wenn der Track für manche heute oder auch schon damals etwas zu Pop war hat er trotzdem Deutsch Rap ins Rampenlicht gerückt und vielen anderen Gruppen den Weg ins Rampenlicht geebnet.

Als erstes gelang es Gruppen und Djs aus Stuttgart (z.b. Freundeskreis unter dem Label Four Musik) und Hamburg (z.b. Die Absoluten Beginner unter dem Label Eimsbush (RIP)) ihre Tracks deutschlandweit bekannt zu machen.

Samy Deluxe und Mr. Schnabel Eimsbush Stylee

Im Jahr 2000 brachte dann Kool Savas und seine damalige Crew Westberlin Maskulin mit Tracks wie “Pimplegionär” und “Lutsch meinen Schwanz” die ersten Gangster Rap Elemente an den Start. Das passte gut in die Zeit da Amerika ja schon länger auf der Gangster Rap Welle war und Hip Hop weltweit Pop wurde.

Andere Rapcrews aus Berlin wie “Die Sekte” wo auch Sido dabei war, kamen mit ähnlichen Tracks raus die begeistert von einem Grossteil der Hip Hop Community aufgenommen wurden. Das Niveau sank, besonders weil viele der neuen Acts besser im pöbeln als im reimen waren. Besonders Tracks aus der Anfangszeit des “deutschen Gangster Raps” haben kaum Doppelreime, Anapher und andere Elemente die guten Rap auszeichnen. Das spielte aber keine Rolle weil andere Rapper die nicht so viel geschimpft haben von einem Teil der Hip Hoper als zu soft abgestempelt wurden.

Inzwischen ist das Bravo Magazin voll mit Stories über Aggro, Fler und Bushido und die Video Clips sind nach dem guten alten amerikanischen Gangster Rap Konzept gemacht, also Geld, Nutten und Parties. Die Texte sind inzwischen was Reime angeht teilweise besser geworden und so manche Beats rocken, trotzdem ist Deutsch Rap heutzutage zum Grossteil deutscher Gangster Rap mit geringem Realitätsbezug. Für jeden der sich mit amerikanischer Rap Musik beschäftigt ist auch klar wie viel von US Beats und Texten übernommen wird. “F#ck you pay me” “F!ck dich bezahl mich” usw…

In diesem Sinne ist deutscher Gangster Rap insgesamt etwas lächerlich und unorginell geworden, erfreut sich aber wie andere Genres der Pop Musik immer noch grösster Beliebtheit. Gute Besserung und gut das es noch einige Deutsch Rap Gruppen mit Beats und Reimen anstatt mit Hurensohn und imaginären P!stolen hoch halten.

Hier Bushido mit einem guten Beispiel wie man Leuten mit Hilfe eines grossen Labels (Sony/BMG) Ghetto Romantik verkauft. Perfekt für das Lebensgefühl eines kiffenden, dealenden Jugendlichen mit Geltungsbedürfnis der sich von der Geselschaft ausgeschlossen fühlt (und im Endeffekt stolz drauf ist so ein “hartes” Leben in Deutschland zu haben). Wer etwas in der Welt herumgekommen ist weiss wie extrem “hart” das Leben in Deutschland sein kann im Vergleich zu anderen Ländern die keine sozialen Netzwerke oder ähnliches haben.

Schon mal in nem echten Slum gewesen? Hier in der Mitte von Bangkok ist einer der grössten Asiens mit mehr als einer Millionen Menschen. Leute verhungern und es gibt im Schnitt acht Morde pro Nacht. Keiner hört Gangster Rap sondern fröhliche Musik um das Leben erträglicher zu machen. Aber genug davon, weiter mit Bushido und dem wirklich harten Leben.

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