Cosmic Music Teil 1

cosmic music

cosmic music

Italien, 1976
In einer Luxusdiskothek an der Adriaküste spielen jedes Wochenende zwei amerikanische Diskjockeys namens Bob und Tom Schallplatten, die in ihrer Heimatstadt New York im legendären „Loft“, der Geburtsstätte des Disco, gerade Geschichte schreiben.

Bob und Tom sind Resident Djs im „Baia degli Angeli“ , der Bucht der Engel, einer gigantischen Diskothek mit mehreren Stockwerken, Springbrunnen, Swimmingpools und jeder Menge Glitzer des Jet Sets. Inmitten dieses Tempels legen sie Platten in einem ständig auf-, und ab fahrenden Aufzug auf. Sie spielen Funk, Soul und Loft Klassiker, und mixen die Stücke ineinander, was zum gegenwärtigen Zeitpunkt revolutionär neu ist.

Bob und Tom sind zwei Exoten an der Adria…
Zwei ominöse Amerikaner, die Platten auflegen, die man nirgendwo in Italien, ja, kaum irgendwo in Europa bekommen kann. Sie sind die Einzigen, die Ende der Siebziger Jahre den Sound of NYC spielen – in Italien.
Sie begeistern jedes Wochenende die volle Disco, unter anderem auch die Djs Daniele Baldelli und Claudio Rispoli.
Baldelli, der vor dem Baia zwar in anderen Clubs Platten spielte, aber nicht im entferntesten daran dachte, diese zu mixen, wird von Bob und Tom in die Technologie eingeführt.

cosmic music

cosmic music

cosmic music

Als Bob und Tom 1978 zurück nach New York gehen, übernehmen erst Baldelli und kurze Zeit später auch Rispoli (auch DJ Moz.art genannt) die Stelle, - und ein grosses Erbe.

Denn beide haben keine Ahnung von New York´ s florierender Szene, sie ahnen nichts von der Entstehung des „Disco“, oder von den Deejays im Loft, und anderen anfangs kleinen Clubs, in denen seit einigen Jahren nicht mehr Songs nacheinander abgespielt werden, sondern fliessende musikalische Übergänge und minutenlange Überlagerungen von Percussionparts in Funk und Soulstücken entstehen. Und sie bekommen nicht mit, dass ein neuer Musikstil entstanden ist: DISCO.

Baldelli und Mozart kennen nichts von alledem – sie kennen nur Bob und Tom.
Und sie wissen erstmal noch nicht, wo sie Platten kaufen sollen, die wie die von Bob und Tom klingen – zunächst nennt man den Musikstil „Afro“…

Nach einem weiteren Jahr schliesst das Baia degli Angeli nach einer Drogenrazzia, und Baldelli fängt kurze Zeit später in der neu eröffneten Disco „Cosmic“ in Lazise am Gardasee an, aufzulegen.

Die Eröffnung der Discoteca Cosmic ist furios. Vier Tage lang feiern 3000 Menschen pro Abend in einem ausverkauften Haus, und auch weiterhin ist der Laden immer brechend voll.

Mit einer gefüllten Disco, einer supermodernen PA und Lichtanlage und einer DJ-Residency hat Baldelli die Möglichkeit, viel zu experimentieren:

Er fängt nicht nur an, beatgenau zu mischen, er hat Plattenspieler mit Geschwindigkeits-Feinjustierung, und kann so minutenlange Überlagerungen von unterschiedlichen Quellen ineinander mischen. Auch benutzt er ausgiebig einen Equalizer, und erzielt damit unglaubliche Filtereffekte. In Europa ist diese Art, Platten aufzulegen völlig neu, und so wird Daniele Baldelli schnell in ganz Norditalien bekannt.

Währenddessen wir das Baia wieder eröffnet, aber unter neuen Gesichtspunkten – Das Jetset Publikum weicht einem jüngeren, ärmeren, und somit wächst das italienische Bewusstsein für Disco in grösserem Rahmen.

Auch andere Djs, wie Mozart, Beppe Loda, Ebreo, oder Rubens fangen fast zeitgleich an, den Sound des „Cosmic“ zu spielen, und rufen eine immer grösser werdende Szene ins Leben. Im Melody Mecca in Rimini, im Typhoon in Brescia, im Chicago in Bologna oder im Cattolica, das heisst, über ganz Italien verteilt läuft nun überall Cosmic und Afrofunky.

dj rubens cosmic music

Die Mixtapes von Baldelli, Loda und Mozart hatten die Runde gemacht und sich über Kopien weitflächigst verteilt. Teilweise verkaufen sich über 100 Stück pro Abend, wenn Loda oder Baldelli spielen. Diese Tapes multiplizieren sich derart, dass ein ganzes Tapeverkauf-Gewerbe entsteht.

Als plötzlich auch in anderen italienischen Städten Clubs den Trend mitbekommen, und Abende mit Afro Djs belegen, entwickelt Baldelli seinen Stil weiter. Er mixt nicht mehr nur Funk, Soul und frühen Disco, sondern entdeckt vor allem den deutschen Krautrock, brasilianische Percussion, aber auch modernen Afro wie Toure Kunda, Manu Di Bango und Synthesizer geprägte Stücke wie die Musik von Tangerine Dream, Klaus Schulze und anderen.

Anfangs experimentiert er nur am Ende des Abends damit herum, denn nach wie vor werden Funk und Soul, eingängige und kommerzielle Tanzstücke verlangt. Baldelli wird dessen aber überdrüssig und weitet seinen abgespaceten Sound immer weiter ins Abendprogramm aus.

Sein Stil aufzulegen schlägt hohe Wellen, und zugegeben, hört man seine Mixtapes heutzutage, ist Baldelli´s Stil einzigartig:
Im extrem langsamen Tempo von etwa 80-105 BPM werden Stücke minutenlang perfekt ineinander gemischt, verschiedenste Stile miteinander verbunden, halftime oder doubletime beats gemischt und Effekte wie Bandechos und Equalizer eingesetzt.

Die Musik ist ein LSD Trip: Afrikanische Chöre auf 45 RPM, Percussion Solos, Bolero mit Delay Effekten,…
Zudem waren Musikstücke zu dieser Zeit mit echten Instrumenten eingespielt, und keineswegs tight – Als DJ musste man die Temposchwankungen während des Mixens also erfühlen. Aber auch allein die Atmosphäre, die von der Musik verbreitet wird, ist einzigartig, vor allem unter heutigen DJ bzw. Clubgänger Gesichtspunkten – Cosmic verbreitet im Grunde genommen ein riesiges Alice-im-Wunderland-Grinsen, zu dem man wie ein Bär schunkeln will. So ähnlich ist auch einer den verbreiteten Cosmic-Tänze: Man tanzt sich langsam wie ein Bär einfach durch den Laden.

Cosmic Fan zu sein heisst bald auch, bestimmte Kleidung zu tragen und den Cosmic Car zu fahren- einen Citroen DS. Viele Kids haben zu der Zeit auch wenig Geld, so dass sie oft den ganzen Abend VOR dem Cosmic im Auto sitzen, sich zudröhnen und die Tapes der DJ Helden spielen.

lsd drogen

Die Drogen sind insgesamt sowieso ein wichtiger Bestandteil des Cosmic.
In Italien gibt es in den 80ger Jahren ein immenses Drogenproblem. Nicht nur Haschisch, sondern auch ganz stark ist LSD und Heroin im Umlauf, und die Druffies lieben den langsamen Grinse-Spacesound. Die Beamten, die versuchen, die Lage unter Kontrolle zu bringen, werden aufmerksam auf Baldelli, Loda und Mozart, und das Publikum, das sie nach sich ziehen.
Das Cosmic schliesst letztendlich wie das Baia auch nach einer Drogenrazzia.

Teil 2 der Cosmic Geschichte gibt es hier.

Hier zwei kurze so um die 10mb Mixe von cosmic-music.com.
Tracks aus den Jahren 1976 - 1979
Tracks aus den Jahren 1977 - 1981

Leave a Reply

*
To prove you're a person (not a spam script), type the security word shown in the picture. Click on the picture to hear an audio file of the word.
Click to hear an audio file of the anti-spam word